Poker als olympische Disziplin

Poker ist für mich, genauso wie Schach, ein Geschicklichkeitsspiel und kein reines Glücksspiel. Poker ist sogar ein äußerst komplexes Strategiespiel. Anders als beim Poker wird Schach von der vollständigen Informiertheit der Spieler beherrscht. Alles liegt offen vor den Spielern. Jeder Spieler kennt zu jedem Zeitpunkt alle möglichen Spielzüge. Beim Poker ist das anders. Hier sind den Beteiligten nicht alle Informationen gegeben. Deshalb verlangt Poker vielleicht auch mehr strategisches Vorgehen als es beim Schach der Fall ist. Beim Pokern sind es gerade die verdeckten Informationen, die dazu genutzt werden, die Gegner nach und nach strategisch zu kontrollieren.

Mein Problem mit Poker online als olympischer Disziplin ist folgendes: Die fehlende Assoziation mit Geldgewinnen.

Erstens träten die Spieler für ihr Land und nicht wegen der Aussicht auf Geldgewinne an. Daher wäre Olympia-Poker eher mit Turnierpoker und nicht mit Cash Game Poker zu vergleichen. Entscheidungen würden nicht mit Hinblick auf die Geldsumme, welche es zu gewinnen oder zu verlieren gibt getroffen, sondern die Aufmerksamkeit würde ausschließlich dem strategischen Vorgehen gelten. Beim Pokern ist Geld jedoch seit je her eine große Motivation.

Und das führt mich zur nächsten Frage, nämlich die nach der Zusammenstellung eines olympischen Teams. Sicherlich wären Leute wie Phil Ivey, Daniel Negreanu und andere Top-Spieler im Team vertreten. Aber nach welchen Kriterien würden sie ausgewählt werden? Selbst wenn die Wertung nach anderen Kriterien als dem monetären Status vorgenommen würde, so hätten immer noch diejenigen Spieler die besseren Chancen, die es sich leisten können, in vielen unterschiedlichen Spielen zu spielen.

Wie könnte man die Fähigkeiten eines High-Stake-Spielers und die eines mittellosen Niemand vergleichen, wenn Geld beim Pokern keine Rolle spielen würde? Was könnte den High-Stake-Spieler dazu bringen auf seine Einkünfte zu verzichten und stattdessen für sein Land zu spielen? Eine Medaille? Ich glaube, dass die Motivation für einen Spieler der Pleite ist sehr viel höher ist. Sein Erfolg bei den Olympischen Spielen könnte die Initialzündung sein, professionell Poker zu spielen. Dies wiederum bringt uns zu unserer Ausgangsmotivation: Geld.